programmablauf_kongress
###
warum

Liebe Kongressinteressierte!

 

Während der zurückliegende LAG-Zukunftskongress eine inhaltliche Bestandsaufnahme und Positionsbestimmung für die Soziokultur in NRW vornahm, spielte dort „das Geld“ vorerst nur eine hintergründige – wenn auch ständig präsente – Rolle. Der Kongress konstatierte schlussendlich, dass das vorwiegend programm- und projektbezogene Arbeitsfeld der Soziokultur eine angemessenere Finanzierung erfordert, um Vorhaben kontinuierlich professionell und qualitativ umzusetzen. Doch welche Kriterien gereichen einer angemessenen Finanzierung? Daraus entstand die Idee eines weiteren Kongresses mit dem Arbeitstitel „Heute reden wir nur über Geld“. Also Grund genug, die Finanzen nun zum Hauptthema zu machen und ihnen einen ganzen Kongress zu widmen. Jetzt wird über Geld geredet.

 

Der Kongress

Der LAG NW -Kongress „Kultur der Gegenwart und was sie kostet“ möchte Finanzierungsfragen, -formen und -modelle mit den vorliegenden Ergebnissen von 2015 koppeln. Und diese in einen Kontext mit den aktuellen Voraussetzungen für eine „Gute Arbeit“ in der Soziokultur setzen, nach deren Wirkung auf künstlerische Qualität fragen und das, was Kultur uns wert ist, beleuchten. Zudem sollen realistische Modelle für die Praxis und Durchsetzungsstrategien für die Soziokultur in Stadt und Land auf der Handlungsebene entwickelt und anhand von vorhandenen Best-Practice-Beispielen diskutiert werden

 

Etabliert! – aber welcher Finanzierungsmix ist der richtige?

Selbstbewusst hatte die Bestandsaufnahme 2015 festgestellt: Wir sind etabliert – und das ist gut so! Denn: Viele Zentren sind eine feste Institution in der lokalen oder regionalen Kulturlandschaft und nicht mehr aus ihr wegzudenken. Doch der unterschiedliche Finanzierungsmix aus öffentlichen Mitteln, eigenen Umsätzen und Zuwendungen privater Geldgeber hat seinen Reiz und ist gelebte Unsicherheit, weil sich perspektivische Planungen kaum kalkulieren lassen.

Zahlreiche Fördertöpfe stehen den soziokulturellen Zentren und Akteuren aktuell zur Verfügung. Doch für eine erfolgreiche Beantragung und Durchführung nebst Verwendungsnachweis muss u.a. auch qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass die so genannte „Projektitis“ der Soziokultur ihren inhärenten Kreativitätsanspruch durch die Projektverfahren selbst als ungewollten Innovationszwang rückkoppelt, welcher widerum stetigen Deadline- und Innovations-Stress für die Antragsteller darstellt. Wenn dann Förderanträge zusätzlich nicht bewilligt werden, Veranstaltungen nicht den Zuspruch bekommen, den sie verdienen oder unvorhergesehene Ausgaben anfallen, steht neben der konkreten Kostendeckung und der Qualitätssicherung immer auch das Einrichtungskonzept insgesamt in Frage.

 

Soziokultur als Mehrwert, aber…

Dabei ist insbesondere der Arbeitsbereich der Soziokultur ein großer Mehrwert: Soziokulturelle Zentren und Akteure wirken an den wichtigen Schnittstellen zwischen Kultur, Bildung, Jugend, Umwelt, Soziales, Politik und Integration. Von Anfang an begegnen sie gesellschaftlichen Entwicklungen situativ aus ihrem offenen und demokratischen Selbstverständnis heraus. Die Umsetzung der Praxis äußert sich dabei in den kreativen, integrativen und partizipatorischen Angeboten und Projekten – aktuell bei inter- und transkulturellen Herausforderungen, gesellschaftlichen Teilhabeprozessen, Politisierung, Digitalisierung, in der (eigenen) Nachwuchsarbeit und der Erschließung von neuen Publikumstypen. Soziokultur ist immer nah dran an Gesellschaft und zugleich in ihr verwurzelt. Das Rezept aus Teilhabe und Vielfalt ist somit auch als Blaupause für die in den letzten Jahren zu beobachtenden „Soziokulturalisierungstendenzen“ der Kultur geworden.

Kurioserweise ist und bleibt die materielle und personelle Situation vieler Zentren trotz ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz in hohem Maße prekär. Sie entspricht vergleichsweise kaum ihren erbrachten kulturellen, ästhetischen und gesellschaftlichen Leistungen. Permanenter ökonomischer Druck birgt zudem die Gefahr, dass sich Zentren von ihren Konzepten und Zielen entfernen könnten und sich an einem marktkonformen Pragmatismus orientieren, der Inhalte und Werte der Soziokultur zunehmend ignoriert.

 

Wichtige Fragen

Gibt es Alternativen? Grundlegende Kriterien und Fragen sind: Was sind die Standards für Leistung und Einsatz? Wo verlaufen die Grenzen zum Unerlaubten? Wie halten wir sie ein, ohne dass Spontaneität, Kreativität und Freiheit auf der Strecke bleiben? Wie können soziokulturelle Zentren ein Programm finanzieren, das die eigenen Maßstäbe für Qualität und Gerechtigkeit ebenso erfüllt wie die der beteiligten Künstler*innen? Was sind eigentlich „angemessene“ Gagen? Welche finanziellen Standards wünschen wir uns für den freien Kulturbetrieb – und welche können wir aktuell nur erfüllen? Würde mehr öffentliche Förderung im Gegenzug zu mehr künstlerischer und kultureller und konzeptioneller Qualität führen? Wie können Zentren und freie Gruppen ihre berechtigten Interessen in der Stadt, auf regionaler und auch auf Landesebene besser zur Geltung bringen? Was können Bündnisse freier Kulturschaffender auf kommunaler, regionaler und Landesebene bewirken? Gibt es die eine Strategie für alle oder muss lokal und regional ganz unterschiedlich gedacht und gehandelt werden?

Der Wunsch nach kontinuierlicher institutioneller Förderung ist daher groß, um gesicherte finanzielle Rahmenbedingungen zu erhalten und die soziokulturelle Arbeit und ihre Leistung verlässlich, adäquat und dauerhaft zu unterstützen.