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# 1: Die selbstausbeutende Traumjobmaschine – Was ist „Gutes Arbeiten“ in der Soziokultur ?

Konzerte veranstalten, mit Menschen arbeiten, Spaß haben, zumindest ein bisschen die Welt verbessern, große Kunst erleben, interessante Leute kennenlernen, die Stadt lebenswert machen – das alles und noch viel mehr ist Soziokultur. Oder ganz kurz: Viel ermöglichen … und fast nix verdienen.

Zwar gibt es Mindestlohn und Krankenversicherung, geregelte Arbeitszeiten und klare Jobbeschreibungen. Aber tatsächlich übernehmen die meisten dann doch noch diese Kleinigkeit und jene Aufgabe, bleiben für die Sache länger und treten für sich selber kürzer, machen viel zu viel für viel zu wenig Geld.

Die Arbeit in Soziokulturellen Zentren und Initiativen grenzt nicht nur an Selbstausbeutung, oft geht sie darüber hinaus. Und alle machen mit, weil es sich trotzdem lohnt: Für einen selbst, für die Sache, für’s Publikum. Wer guckt da schon auf Stunden und Minuten – was eigentlich heißt: Auf Euro und Cent.

„Kultur ist kein Hobby“, hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker neulich gesagt, „sondern ein Beruf“.  Und so müssen Kulturschaffende von Berufs wegen auch mit ihrer Arbeitskraft und Kreativität umgehen: Professionell!

Was sind die Standards für Leistung und Einsatz? Wo verläuft die Grenzen zum Unerlaubten? Wie halten wir sie ein, ohne dass Spontaneität, Kreativität und Freiheit auf der Strecke bleiben – wir aber auch nicht?

Gesprächspartner*in:

Andreas Kornacki, Kaufmännischer Leiter, Kampnagel Hamburg

Jochen Molck, Geschäftsführer, zakk Düsseldorf

Jörg Stüdemann, Stadtdirektor, Personaldezernent Dortmund

Adil Laraki, Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, Landesverband NRW (nur 1. Durchlauf 13:30 – 14:45)

Moderation: Ursula Theißen, Geschäftsführerin Frauenkulturbüro NRW

 

# 2: Gute Gagen oder Almosen ? Was ist uns die Kunst wert?

Das kulturelle Angebot in Städten und Gemeinden entsteht oft sogar überwiegend in Soziokulturellen Zentren und freien Kultureinrichtungen. Seinen Kern bilden die Kulturschaffenden: Musiker*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen, bildende und viele andere Künstler*innen. Sie provozieren, bereichern, bewegen, erstaunen ihr Publikum und die Gesellschaft insgesamt – und müssen als professionelle Künstler*innen davon leben können.

Doch angemesse Festgagen werden nur ganz selten gezahlt – wenn es sie überhaupt gibt. Die prozentuale Beteiligung am Eintritt ist zur Regel geworden. Das fragile Finanzierungsmodell vieler Einrichtungen sorgt zudem schon seit Jahren für eine immer stärkere Nachfrageorientierung: Möglichst wenig Risiko für die Veranstalter, denn deren Einnahmesicherheit geht vor. Jüngster Trend ist die Hutsammlung: Das Publikum spendet, wenn’s gefällt! Auf diesem Weg werden die Künstler*innen aber quasi zu Almosenempfängern, während bei den Veranstaltern Experimentierfreude und die Lust am Neuen auf der Strecke bleibt.

Das schadet nicht nur der Kunst und dem kulturellen Leben insgesamt, sondern auch dem sozialen Frieden. Doch wie können soziokulturelle Zentren ein Programm finanzieren, das die eigenen Maßstäbe für Qualität und Gerechtigkeit ebenso erfüllt wie die der beteiligten Künstler*innen? Was sind eigentlich „angemessene“ Gagen? Welche finanziellen Standards wünschen wir uns für den freien Kulturbetrieb – und welche können wir aktuell nur erfüllen? Würde mehr öffentliche Förderung im Gegenzug zu mehr künstlerischer und kultureller und konzeptioneller Qualität führen?

Gesprächspartner*in:

Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats und Generalsekretär des Deutschen Musikrats

Johannes Schmidt, Utopiastadt Wuppertal

Angelika Niescier, Musikerin

Moderation: Christine Brinkmann, Programm Wort & Bühne / Politik und Gesellschaft, zakk Düsseldorf

 

# 3: Vom Fordern zum Handeln – Durchsetzungsstrategien der Soziokultur in Stadt und Land

Seit Jahren fordern soziokulturelle Zentren und freie Gruppen eine bessere und unbürokratischere Finanzierung ihrer Arbeit – doch letztlich umgesetzt davon wird sehr wenig.

Mal ist es scheinbar der hoch verschuldete Stadthaushalt, mal sind es ungünstige politische Rahmenbedingungen, mal ist es einfach fehlendes kulturpolitisches Engagement der Akteure.

Wie können Zentren und freie Gruppen ihre berechtigten Interessen in der Stadt, auf regionaler und auch auf Landesebene besser zur Geltung bringen? Was können Bündnisse freier Kulturschaffender auf kommunaler, regionaler und Landesebene bewirken? Welche aktuellen Beispiele gibt es dafür? Was können wir auch aus gescheiterten Bündnissen lernen? Wo liegen die Hemmnisse für den Erfolg der Durchsetzung? Welche Bedeutung haben die Medien, die sozialen Netzwerke und andere neue Formen der Kommunikation in diesem Prozess? Gibt es die eine Strategie für alle oder muss lokal und regional ganz unterschiedlich gedacht und gehandelt werden?

Gesprächspartner:

Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender Landessportbund NRW und Geschäftsführer des Geschäftsbereichs 1

Prof. Dieter Gorny, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Initiative Musik gGmbH, Geschäftsführender Direktor des European Centre for Creative Economy  (ECCE)

Christophe Knoch, Sprecher der Koalition der Freien Szene Berlin

Moderation: Mechthild Eickhoff, Leitung UZWEI-Kulturelle Bildung im Dortmunder U